Ringo Müller

Szenenwechsel – Theaterkultur und Stadtgesellschaft in Mitteldeutschland im 19. und 20. Jahrhundert

„Es dürfte außer Erfurt wohl keine zweite Stadt von mehr als 70 000 Einwohnern in Deutschland geben, in der es so wie in Erfurt an gänzlicher Gelegenheit, ein Theater zu besuchen fehlt; denn das einzige derartige Kunst-Institut, das dort besteht, ein kleines ganz unzulängliches Volkstheater, worin gegen 50 Pfg. Eintritt gespielt wird, ist für das gebildete Publikum nicht zu rechnen, und die gelegentlichen Gastspiele irgend eines zusammengetrommelten Ensembles in einem Gartensaale sind ebenso unzureichend.“

Die Errichtung eines Stadttheaters in Erfurt, in: Münchener Kunst- und Theater-Anzeiger, 5.2.1893 (Jg. 6, Nr. 1824).

Frontcover des Theateralmanachs aus dem Jahre 1985.
Neuer Theateralmanach, 1895

Projektüberlegungen

München–Erfurt. Der kurze Zeitungsausschnitt aus dem Münchener Kunst- und Theater-Anzeiger führt uns in das preußische Erfurt am Ende des 19. Jahrhunderts. Hier betreten wir eine Stadt ohne ein Theater, das in der Hand eines Intendanten und seinem angestellten künstlerischen Ensemble wäre. Kein Fürst residierte in der Stadt, kein Mäzen unterhielt ein staatliches Theaterhaus. Gleichzeitig hatten die Nachbarstädte Gotha und Weimar, Gera und Rudolstadt angesehene Spielstätten und die Theatertruppe Herzogs Georg II. von Sachsen-Meiningen (1826–1914) genoß im ganzen Deutschen Reich und in den europäischen Metropolen Ansehen.

Ich möchte beginnen, eine Geschichte zu recherchieren, die danach fragt, wie man das eigentlich macht – ein Theater in Erfurt zu gründen und welche Bedeutungen dieses Theater nach seiner feierlichen Eröffnung einnimmt, welche ihm zugeschrieben werden. Wie reagierten die Nachbartheater? Welches Verhältnis entwickelten die Erfurter Bürger zu ihren neuen Spielstätte? Wie brachten sich die Künstlerinnen und Künstler in die Stadt ein? Wie schrieb das Theaterschiff seine eigene Geschichte und wie navigierte es auf der stürmischen See der Vergangenheit im Jahrhundert der Extreme?

Szenenwechsel: Ein kleines Projekttagebuch

Gedanken und Ideen zum Projekt lege ich in diesem Blog nieder. Hier möchte ich auch etwas den zeitlichen Aufwand für mich dokumentieren und zeigen, wie viele Überlegungen bei so einem – eher kleinen – Projekt zusammenkommen können. Ich tippe meine Gedanken einfach in die Tastatur und lese nur wenig Korrektur. Liebe Lesende, bitte stören Sie sich nicht an den Rechtschreibfehlern.

Gekritzeltes: Projektanfänge

Viele Monate hatte ich keine Zeit, mich meiner kleinen Homepage zu widmen. Die letzten Tage waren etwas anstrengend und so nehme ich mir heute bewußt etwas Zeit für mich. Beim Blick in den Quellcode der Seite fielen mir wieder ein paar Fehler auf, die ich gleich mit beseitigen konnte.

Diese Seite entsteht aus einem Nachdenken über eine zukünftiges Projekt, das seinem Autor irgendwie den finanziellen Lebensunterhalt in der universitären Landschaft der Bundesrepublik sichern soll. Nachdem ich in den vergangenen Jahren ein Projekt bearbeitet hatte, das an mich herangetragen worden war, möchte ich nach dem Abschluss des Manuskriptes den thematischen Faden wieder in meinen Händen halten.

Mit Theatergeschichte hatte ich bis 2019 wenig am Hut. In meiner gymnasialen Zeit besuchte ich sehr oft die Vorstellungen im Zwickauer Theater. Aber während meines Studiums in Dresden bin ich mit dem dortigen Staatstheater nie ganz warm geworden. Die Semperoper blieb außerhalb meines Blickfeldes. Auch in Erfurt besuchte ich lange Zeit das hiesige Musiktheater nicht. Dies änderte sich erst mit dem Ende der Corona-Pandemie. Allmählich machte mich die Oper in Erfurt neugierig und mittlerweile gehören die Inszenierungen zu einem festen Bestandteil meines Kalenders.

Aufmerksam auf die Geschichte des Theaters machte mich meine Frau. Ursprünglich wollten wir gemeinsam einen kleinen Aufsatz über die Sammlungen des Hauses schreiben. Aber wie so oft fehlte die Zeit und kamen die Wirrnisse des Lebens dazwischen. Im Sommer 2023 veranstaltete ich an der Universität Erfurt ein kleines Seminar zum Thema ‚Theatergeschichte‘, aber leider entwickelte sich nichts daraus.

Mit dem Beginn des Jahres 2026 denke ich gelegentlich über meine berufliche Zukunft nach. Gern würde ich noch einen Drittmittelantrag stellen. Womöglich ist die Theatergeschichte genau das Feld, in dem ich mein nächstes Buch entwickeln werde. Und es gibt einen gar nicht unerheblichen Zusammenhang zu meinem Manuskript über ‚Verflochtene Ungleichheiten‘ in den Bildungswelten der Deutschen Demokratischen Republik und der Bundesrepublik. Denn ich werde darin die Metapher des Theaters und seiner Hinterbühnen als Beschreibung des Sozialismus (kritisch) aufgreifen.

Wie beginnt also dieses Projekt? Natürlich, mit einem Blick in die Akten. Und dabei musste ich feststellen, dass meine Lesefähigkeiten der Kurrentschrift etwas allzu sehr nachgelassen haben. Deshalb sitze ich nun erstmal im Stadtarchiv und lerne irgendwie von Neuem Lesen.

Zuerst donnerstags, jetzt dienstags will ich im Stadtarchiv Erfurt recherchieren und in den Überlieferungen stöbern. Eine kleine Übersicht zu den infrage kommenden Akten habe ich angelegt. Noch etwas gewöhnen muss ich mich an die Mittagspause im Archiv. Nach Hause gehen oder an die Uni fahren, kostet zu viel Zeit. Irgendwie muss ich ein kleines, nettes Lokal finden, in dem ich in Ruhe Mittagessen kann.

Und vielleicht passt alles am Ende einmal so wie ich es mir vorstelle. Nach 20 Jahren konnte ich meine Software für die Archivrecherchen über Bord werfen und starte von Grund auf mit einer neuen App. Ebenso habe ich meine Notizen alle digital verfügbar und ordne sie nun nach einem einheitlichen Muster.

Zum Schluss: Meine Frau wies mich gestern darauf hin, dass die Thüringer Tourismus GmbH Gärten und Theater zu ihrem Jahresthema erklärte. Eine dpa-Meldung der neuen musikzeitung findet sich hier.

21. Februar 2026

Blogstart

Dies ist mein erster Eintrag. Hallo Welt!

20. Februar 2026

Tagebucharchiv